Rechtliches
Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)
IVRY GmbH – Datenverarbeitung gemäß DSGVO
Gültig ab 15. Mai 2026
1. Parteien und Definitionen
1.1 Parteien
- Verantwortlicher (Kunde): Natürliche oder juristische Person, die das IVRY Portal und Hosting-Services nutzt
- Auftragsverarbeiter (Anbieter): IVRY GmbH, Neumuehlenweg 3, 84567 Perach, Deutschland
1.2 Verarbeitungsumfang
Als Auftragsverarbeiter verarbeitet die IVRY GmbH personenbezogene Daten ausschließlich auf Anweisung des Kunden und zur Erbringung der in den AGB genannten Services.
2. Gegenstand der Auftragsverarbeitung
2.1 Kategorien personenbezogener Daten
- Kontaktinformationen (Name, E-Mail, Adresse, Telefon)
- Authentifizierungsdaten (Passwort-Hashes, Session-Tokens)
- Nutzungsdaten (IP-Adressen, Zugriffslogs, Besuchszeiten)
- Technische Daten (Browser-Informationen, Geräte-Typ)
- Zahlungsdaten (für Abrechnung und Kundenkommunikation)
- Inhalte gehosteter Websites (auf Anweisung des Kunden)
2.2 Kategorien von Betroffenen
- Portal-Benutzer (Kunden)
- Website-Besucher (falls Kunde Website hostet)
- Empfänger von E-Mails über IVRY Mail-Services
2.3 Art der Verarbeitung
- Speicherung
- Organizierung und Strukturierung
- Reproduktion
- Abfrage
- Nutzung
- Übermittlung
- Einschränkung
- Löschung
2.4 Zweck der Verarbeitung
- Erbringung von Hosting-, Mail- und Domain-Services
- Authentifizierung und Zugriffskontrolle
- Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung
- Sicherheit und Incident Response
- Technischer Support
- System-Backups und Disaster Recovery
- Compliance und gesetzliche Anforderungen
3. Dauer der Verarbeitung
- Für aktive Services: Für die Dauer des Vertragsverhältnisses
- Nach Kündigung: 30 Tage Übergangsfrist
- Danach: Automatische vollständige Löschung aller Daten
Ausnahmen:
- Zahlungsaufzeichnungen: 10 Jahre (steuerliche Aufbewahrung)
- Audit-Logs für kritische Aktionen: 90 Tage
- Sicherheitslogs: Bis zu 90 Tage für Forensik
4. Weisungen und Compliance
4.1 Art der Weisungen
Der Kunde kann Weisungen zur Datenverarbeitung geben durch:
- Nutzung des Kundenportals https://my.ivry.de
- Schriftliche E-Mail an kontakt@ivry.de
- Mündliche Vereinbarung (mit schriftlicher Bestätigung)
4.2 Einhaltung von Weisungen
Die IVRY GmbH verarbeitet Daten ausschließlich nach dokumentierten Weisungen. Alle Weisungen werden protokolliert und sind abrufbar.
4.3 Widerspruch zu Weisungen
Falls eine Weisung gegen Datenschutzgesetze verstößt, wird die IVRY GmbH:
- Den Kunden darauf hinweisen
- Die Verarbeitung nicht durchführen
- Die Angelegenheit dokumentieren
5. Anforderungen an Sicherheit (Technische und Organisatorische Maßnahmen - TOMs)
5.1 Zugriffskontrolle
5.1.1 Authentifizierung
- Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für Admin-Konten
- Starke Passwort-Anforderungen (Mindestens 12 Zeichen, Großbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen)
- Passwort-Hashing mit bcrypt oder scrypt
- Session-Timeouts nach 30 Minuten Inaktivität
- API-Keys mit eindeutiger Authentifizierung
5.1.2 Autorisierung
- Role-Based Access Control (RBAC)
- Principle of Least Privilege (PoLP): Mitarbeiter erhalten nur notwendige Berechtigungen
- Regelmäßige Audits der Zugriffsvergabe (quartalsweise)
- Sofortige Deaktivierung bei Mitarbeiterwechsel
5.1.3 Physischer Zugriff
- Rechenzentrum-Zugang nur durch autorisiertes Personal
- Biometrische Zugangskontrollen
- Video-Überwachung
- Zugriffsprotokollierung
5.2 Verschlüsselung
5.2.1 Verschlüsselung in Transit (In-Flight)
- TLS 1.3 für alle HTTP-Verbindungen (https://my.ivry.de)
- TLS 1.3 für Mail-Übertragung (SMTPS, IMAPS)
- TLS 1.3 für DNS-Abfragen (DoT)
- Cipher-Suites mit Forward Secrecy (z. B. ECDHE)
- HSTS-Header mit mindestens 365 Tagen max-age
5.2.2 Verschlüsselung in Ruhe (At Rest)
- AES-256-GCM für sensible Datenbankspalten (Passwort-Hashes, API-Keys)
- Whole-Disk-Encryption auf Produktionsservern (LUKS)
- Verschlüsselte Backup-Speicherung
- Separate Verschlüsselungsschlüssel pro Umgebung (Dev/Staging/Production)
5.2.3 Schlüsselverwaltung
- Zentrale Schlüsselverwaltung (Hardware Security Module - HSM)
- Schlüssel-Rotation alle 12 Monate
- Sichere Schlüssel-Speicherung (nicht im Quellcode)
- Separate Schlüssel für verschiedene Datentypen
5.3 Datensicherung und Recovery
5.3.1 Backup-Strategie
- Häufigkeit: Tägliche Backups um 02:00 Uhr CEST
- Aufbewahrung: 30 Tage (22 Backups)
- Geografische Redundanz: Mehrere Rechenzentren
- Backup-Typen:
- Inkrementelle täglich
- Vollständige wöchentlich
- Monatliche Archive
5.3.2 Recovery Testing
- Monatliche Wiederherstellungstests
- Dokumentierte Test-Protokolle
- Recovery Time Objective (RTO): 4 Stunden
- Recovery Point Objective (RPO): 24 Stunden
5.3.3 Backup-Sicherheit
- Backups werden verschlüsselt transferiert
- Backup-Speicher ist räumlich getrennt
- Zugriff auf Backups ist streng kontrolliert
- Backups unterliegen ebenfalls Zugangskontrollen
5.4 Verfügbarkeit und Ausfallschutz
5.4.1 Redundanz
- Load-Balancing über mindestens 2 physische Server
- Automatisches Failover bei Ausfällen
- Redundante Stromversorgung (USV, Diesel-Generator)
- Redundante Internetanbindung (Multi-ISP)
5.4.2 Monitoring
- 24/7 Systemüberwachung
- Automatische Warnungen bei Anomalien
- Response-Zeit < 15 Minuten
- Incident-Benachrichtigung an Kunden
5.4.3 Wartung
- Geplante Wartung nur zwischen 22:00 und 06:00 CEST
- Mindestens 7 Tage Vorankündigung
- Wartung mit minimaler Auswirkung (Warm Standby)
- Rollback-Plan für jeden Update
5.5 Netzwerk-Sicherheit
5.5.1 Firewalls und Intrusion Detection
- Hardware-Firewall auf Netzwerk-Ebene
- Software-Firewalls auf Server-Ebene (iptables/nftables)
- Intrusion Detection System (IDS)
- Web Application Firewall (WAF) für HTTP-Verkehr
- DDoS-Mitigation bis 50 Gbps
5.5.2 Netzwerk-Segmentierung
- Getrennte Netzwerk-Zonen (DMZ, App-Tier, Database-Tier)
- VLANs für Isolation
- Begrenzte Kommunikation zwischen Zonen
- Whitelist-Prinzip für Netzwerk-Zugang
5.5.3 API-Sicherheit
- Rate-Limiting pro API-Key
- CORS-Einschränkungen
- Input-Validation und Output-Encoding
- CSRF-Schutz (Tokens)
- OAuth 2.0 für Authentication
5.6 Malware- und Virenschutz
5.6.1 Automatische Scans
- Tägliche Malware-Scans mit ClamAV
- Echtzeit-Dateiüberwachung
- Automatische Quarantäne verdächtiger Dateien
- Benachrichtigung des Kunden bei Funden
5.6.2 Datei-Upload-Sicherheit
- Beschränkung der Dateitypen
- Größenlimits für Uploads
- Sandbox-Scanning vor Speicherung
- Automatische Entfernung von ausführbarem Code
5.7 Patch-Management und Updates
5.7.1 Automatische Updates
- Automatische Sicherheits-Updates des Betriebssystems
- Monatliche Anwendungs-Updates
- Unmittelbare kritische Patches (0-Day Exploits)
- Versionskontrolle und Rollback-Mechanismus
5.7.2 Vulnerability Scanning
- Wöchentliche automatische Vulnerability-Scans
- Manuelle Penetration Tests (halbjährlich)
- Bug-Bounty-Programm
- Aktuelle Audit-Protokolle
5.8 Protokollierung und Audit-Trails
5.8.1 Ereignisprotokollierung
- Alle administrativen Aktionen werden protokolliert
- Alle Daten-Zugriffe werden protokolliert (Select, Update, Delete)
- Alle fehlgeschlagenen Anmeldeversuche
- Alle Änderungen an Systemkonfigurationen
- Aufbewahrung: Mindestens 90 Tage
5.8.2 Datenschutz-spezifische Protokolle
- Wer Daten wann zugegriffen hat
- Welche Daten verarbeitet wurden
- An wen Daten übertragen wurden
- Alle Datenauskunfts- und Löschanfragen
5.8.3 Log-Sicherheit
- Zentrale Log-Sammlung (Syslog)
- Logs sind unveränderlich (Write-Once-Storage)
- Logs sind verschlüsselt
- Zugriff auf Logs ist eingeschränkt
5.9 Personal und Schulung
5.9.1 Datenschutz-Schulung
- Alle Mitarbeiter erhalten jährliche Datenschutz-Schulung
- Neue Mitarbeiter: Schulung beim Onboarding
- Spezielle Schulung für technisches Personal
- Dokumentierte Schulungsprotokolle
5.9.2 Vertraulichkeit
- Schriftliche Vertraulichkeitsvereinbarungen (NDAs)
- Geheimhaltung von Kundendaten
- Keine Weitergabe sensibiler Informationen
- Sanktionen bei Verletzungen
5.9.3 Personalwechsel
- Sofortige Deaktivierung des Zugriffs
- Rückgabe aller Authentifizierungsmittel
- Archivierung der Exit-Dokumentation
- Zustimmungsbestätigung zur Verschwiegenheit
5.10 Incident Response und Notfallplanung
5.10.1 Incident Response Plan
- Dokumentierter Plan für Sicherheitsvorfälle
- Eskalationsprozess
- Kommunikationsprotokoll
- Benachrichtigung des Kunden innerhalb 24 Stunden
- Benachrichtigung der Aufsichtsbehörde innerhalb 72 Stunden (falls erforderlich)
5.10.2 Forensische Fähigkeiten
- Geschultes Incident-Response-Team
- Tools für digitale Forensik
- Erinnerung von Log-Dateien
- Chain-of-Custody-Dokumentation
- Externe Forensik-Unterstützung bei Bedarf
5.10.3 Business Continuity
- Dokumentierter Business Continuity Plan (BCP)
- Disaster Recovery Plan (DRP)
- Regelmäßige Tests (mindestens halbjährlich)
- Notfall-Kontaktlisten
- Notfall-Hotline für kritische Incidents
6. Subauftragsverarbeiter (Subprozessoren)
6.1 Autorisierte Subprozessoren
Die IVRY GmbH nutzt folgende Subprozessoren:
| Subprozessor | Land | Zweck | Kategorie |
|---|---|---|---|
| Mollie B.V. | Niederlande | Zahlungsabwicklung | Zahlungen |
| GHOSTnet | Deutschland | Infrastruktur (Hosting, Speicher) | Infrastruktur |
| Enhance | Deutschland | Hosting-Kontrollpanel | Hosting-Management |
| Keycloak | Deutschland (Self-hosted) | Authentifizierung/OIDC | Auth |
| Mailcow | Deutschland (Self-hosted) | Mail-Versand (Transaktionsmails) | |
| Umami | Deutschland (Self-hosted) | Website-Analytics | Analytics |
6.2 Hinzufügung neuer Subprozessoren
- Neue Subprozessoren werden dem Kunden 30 Tage vorher mitgeteilt
- Der Kunde kann innerhalb von 14 Tagen Einwände erheben
- Bei Einwänden wird ein Kompromiss gesucht oder der Vertrag beendet
- Bestehende Subprozessoren können unter https://www.ivry.de/legal/avv eingesehen werden
6.3 Anforderungen an Subprozessoren
- Schriftliche Auftragsverarbeitungsverträge (AVV)
- Gleichwertige Sicherheitsstandards
- DSGVO-Compliance
- Keine weitere Unterauftragsvergabe ohne schriftliche Zustimmung
7. Internationaler Datentransfer
7.1 Datenlokalisierung
Primär: Alle Daten werden in Deutschland verarbeitet und gespeichert.
Ausnahmen:
- Mollie (Niederlande): Zahlungsdaten nur für Transaktionsabwicklung
- Standard Contractual Clauses (SCCs) vorhanden
- Mollie ist DSGVO-zertifiziert
7.2 Keine Übermittlung in unsichere Drittländer
Die IVRY GmbH überträgt Daten nicht in Länder ohne angemessenes Datenschutzniveau (z. B. USA unter CLOUD Act), außer:
- Mit expliziter schriftlicher Zustimmung des Kunden
- Mit Durchführung einer Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA)
- Mit Implementierung von Zusatzgarantien (z. B. Verschlüsselung)
8. Rechte der Betroffenen
8.1 Unterstützung durch den Auftragsverarbeiter
Die IVRY GmbH unterstützt den Kunden bei:
- Auskunftspflicht (Art. 15 DSGVO): Bereitstellung von Datenexportes
- Berichtigungspflicht (Art. 16 DSGVO): Änderung unrichtiger Daten
- Löschungspflicht (Art. 17 DSGVO): Schnelle Datenlöschung
- Einschränkung (Art. 18 DSGVO): Blockierung von Daten
- Datenportabilität (Art. 20 DSGVO): Export strukturierter Daten
- Automatisierte Entscheidungsfindung (Art. 22 DSGVO): Keine vollautomatisierten Entscheidungen
8.2 Auskunftsfristen
- Standard-Auskunft: Innerhalb von 30 Tagen
- Beschleunigte Auskunft (dringend): Innerhalb von 5 Tagen
- Zeitaufwendige Auskunft: Mit Mitteilung der voraussichtlichen Dauer
8.3 Kostenlose Verarbeitung
Die erste Auskunftsanfrage pro Jahr ist kostenlos. Weitere Anfragen können mit 50 € berechnet werden (falls missbräuchlich häufig).
9. Dokumentation und Nachweise
9.1 Verarbeitungsverzeichnis
Die IVRY GmbH führt ein Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30 DSGVO) mit:
- Zweck der Verarbeitung
- Kategorien von Daten
- Kategorien von Empfängern
- Aufbewahrungsfristen
- Sicherheitsmaßnahmen
Abruf auf Anfrage unter datenschutz@ivry.de.
9.2 Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA)
Die IVRY GmbH unterstützt den Kunden bei Datenschutzfolgenabschätzungen für hochriskante Verarbeitungen.
9.3 Audits und Inspektionen
- Der Kunde hat das Recht, Audits durchzuführen oder durchführen zu lassen
- Audits können jährlich beantragt werden
- Sicherheitskonzept und technisch-organisatorische Maßnahmen (TOMs): Verfügbar auf Anfrage
- Externe Sicherheits-Audits: Halbjährlich
10. Beendigung und Datenlöschung
10.1 Daten nach Vertragsende
Nach Beendigung des Vertrages:
- Datenlöschung erfolgt innerhalb von 30 Tagen
- Sechs-Stufen-Überschreibungsprozess
- Zertifikat der Datenlöschung wird bereitgestellt
- Backups werden nach 30 Tagen automatisch gelöscht
10.2 Kundendaten-Export
Der Kunde kann vor Vertragsende seine Daten exportieren:
- Kostenlos als JSON/CSV-Export
- Oder manuell über das Portal herunter laden
- Vollständiger Datenexport innerhalb von 7 Tagen
10.3 Notfall-Datenrettung
Falls der Vertrag überraschend endet (z. B. Insolvenz):
- Kundendaten werden für 30 Tage verfügbar gemacht
- Kunden können ihre Daten kostenfrei extrahieren
- Keine Wiederherstellung nach 30 Tagen möglich
11. Gebühren und Entgelt
Dieser Auftragsverarbeitungsvertrag ist kostenlos und in den Hosting-Gebühren enthalten. Keine zusätzlichen Gebühren für:
- Datenauskunfts-Anfragen (1x pro Jahr kostenlos)
- Datenlöschung
- Sicherheits-Audits
- Incident Notifications
Kostenpflichtig:
- Erweiterte Sicherheits-Services (PEN-Test, WAF-Custom-Rules): Auf Anfrage
- Consulting für Datenschutz-Compliance: 150 € pro Stunde
12. Änderungen dieses Vertrages
Änderungen werden mit 30 Tagen Vorankündigung mitgeteilt:
- Per E-Mail
- Im Portal unter https://my.ivry.de/legal
- Im öffentlichen Verzeichnis https://www.ivry.de/legal/avv
Der Kunde kann bei wesentlichen Änderungen innerhalb von 14 Tagen widersprechen.
13. Kontakt und Eskalation
Datenschutzbeauftragte / Legal: E-Mail: datenschutz@ivry.de Telefon: Auf Anfrage über https://my.ivry.de/support
Sicherheitsvorfälle (24/7): E-Mail: security@ivry.de Portal: https://my.ivry.de/support/security
Allgemeine Anfragen: E-Mail: kontakt@ivry.de
Dieser Auftragsverarbeitungsvertrag ist integraler Bestandteil der AGB und gilt ab 15. Mai 2026.
Letzte Änderung: April 2026